Und jetzt liege ich hier. Hier neben ihm. Mein Handrücken
berührt seine Handfläche und sofort durchzuckt ein elektrischer Schlag meinen
ganzen Körper. Es ist ein Schlag der Enttäuschung, aber auch der Gewissheit,
dass die Sache mit mir und ihm schon jetzt nicht funktionieren würde und auch
nie funktionieren wird. Plötzlich setzte er sich auf und schaute mir mit seinen
leuchtend grünen Augen in die meinen. Unsere Blicke verharrten lange in den
Augen des jeweils anderen und ich merkte dass seine Miene sehr ernst aber auch
so liebevoll wie immer war. Ich schluckte schwer, konnte aber meinen Blick
nicht von seinen Augen wenden. Von diesen wundervollen Augen, in den ich mich
jedes Mal aufs Neue verlor. So saßen wir uns also nur im Schneidersitz
gegenüber und konnten unsere Blicke einfach nicht voneinander abwenden.
Mein
Blick wanderte von seinen Augen über seine Lippen bis hin zu seinen weichen,
zärtlichen Händen, die nun sanft die meinen festhielten. Fließend und ohne
weitere Zeichen legte ich mich in seine starken Arme und auch er rutschte nun
tiefer, um meinen Kopf an seiner Brust zu fühlen. So lagen wir nun da, ich in
seinen Armen, die mir das sofortige Gefühl von Schwerelosigkeit und Geborgenheit
gaben und ich spürte seinen sanften Atem
in meinem Nacken, spürte wie er mir mit der Hand durchs Haar strich. Wir beide
lagen da, Arm in Arm, und spürten den ruhigen Atem und den sanften Herzschlag
des anderen. Seine Arme legten sich von hinten um meine und ich spürte einen
behutsamen Druck. Ich hob langsam den Kopf und sah ihn an. Sein Gesicht war
plötzlich nur noch wenige Millimeter von meinem entfernt. Ich schloss die Augen und atmete den wundervollen
Geruch seines Parfüms ein. Seine Augen mit diesen traumhaft vollen Wimpern
sahen mich durch dringlich an. Ich blickte zurück und er zog mich noch näher an
sich, sodass sich unsere Gesichter berührten. Wimpernschlag für Wimpernschlag
schauten wir uns immer tiefer in die Augen und ich spürte jeden seiner
Atemzüge. Unsere Gesichter näherten sich immer mehr bis ich schließlich spürte,
wie seine weichen Lippen meine berührten. Ich sah in seine Augen und bemerkte,
wie sein Blick sehnsüchtig an meinen Lippen haften geblieben war, denn unsere
Lippen berührten zwar einander, wir küssten uns dennoch noch nicht. "Ich
liebe dich..", flüsterte er und küsste mich auf den Mund, blieb an meinen
Lippen haften und wiederholte den Kuss mit noch mehr Sehnsucht. Er hatte die
Augen geschlossen und ich spürte die Sehnsucht nach mir in jeder Faser seines
Körpers. Ich biss ihm vorsichtig in die Unterlippe und erwiderte behutsam den
Kuss. Doch Kuss für Kuss merkte ich immer mehr, dass etwas nicht stimmte. Dass
etwas mit uns nicht stimmte. Ich versuchte mich dem Kuss voll und ganz
hinzugeben, versuchte mich ihm voll und ganz hinzugeben. Doch ich konnte es
nicht. Ich konnte es einfach nicht. Es fühlte sich nicht richtig an, nicht für
mich. Es fühlte sich an, als würde ich etwas Gewaltiges erzwingen wollen, was
aber einfach nicht da war. Als würde ich krampfhaft und mit allen Mitteln
versuchen glücklich zu sein. Aber ich war es einfach nicht. Das hier war nicht das, was ich wollte und womit ich
glücklich werden würde. Das hier war falsch und ich würde ihn nicht belügen,
nicht diese wundervolle Person, denn so etwas hatte er einfach nicht verdient. Und
ich könnte ihm das niemals antun. Ich löste mich abrupt von seinen Lippen und
meine Augen füllten sich mit Tränen. "Tut mir leid, aber.. ich kann das
nicht", meine Stimme brach mitten im Satz. Ich schaute zunächst nach unten und dann in seine
Augen, die zwar immer noch grün waren, aber nun nicht mehr strahlten. Das
Leuchten war erloschen und geblieben war ein glasiger, verschwommener Blick
bitterer Enttäuschung. Er nickte langsam und seine Arme lösten sich von meinen.
Er setzte sich auf und starrte mit abgewandten Blick aus dem Fenster, in seinen
Blicken lag Schmerz und Enttäuschung. Jetzt liege ich also hier neben ihm.
Unsere Handflächen berühren sich und ich würde am liebsten einfach nur
schreien. Schreien, weil ich weiß, dass es nie wieder so werden wird, schreien,
weil ich sein Herz gebrochen habe, ohne es zu wollen und schreien, weil nun
auch mein Herz gebrochen ist. Doch ich kann es einfach nicht, nicht mehr.
Wortlos stehe ich auf und gehe langsam zur Zimmertür. Im Türrahmen bleibe ich
noch einmal stehen und schaue zurück auf das Bett. Schaue zurück auf ihn, wie
er immer noch schweigend die Wand mit seinen Blicken fixiert, die von Sekunde
zu Sekunde immer trauriger und enttäuschter werden. "Mach's gut..",
sage ich leise. Er hebt den Kopf und schaut mich an, mit einem Blick, als wäre
er vollkommen woanders, als wäre er bereits nicht mehr auf dieser Welt, nicht
mehr im Hier und Jetzt. Sein Rücken ist gekrümmt und seine Augen glasig, leer
und ohne weiteren Sinn, noch weiterzukämpfen. Ich stehe immer noch im Türrahmen
und weiß, dass ich gerade die wertvollste Person meines Lebens verloren habe
und dass das allein meine Schuld ist. Ich habe ihn gebrochen. Ich habe versagt.
Habe ihm jeglichen Lebenssinn genommen, nur um selbst glücklicher zu werden.
"Es tut mir so leid..", flüstere ich, dann verlasse ich das Zimmer.
Ich verlasse das Haus und laufe die Straße hinunter. Ich laufe und laufe, werde immer schneller, doch ich blicke nicht
ein einziges Mal zurück...
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